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Polar Routen e.V.
Internationale Vereinigung für
Wandern und Naturschutz in Grönland
 
 
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Streitpunkt ATV-Straße

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Streitpunkt ATV-Straße

Polar-Route - Arctic Circle Trail - Arctic Circle Road?

1990 markierte Johanne Bech, ein erfahrener Tourguide aus Sisimiut, den ersten Fernwanderweg in Grönland zwischen Kangerlussuaq, wo sich der internationale Flughafen Grönlands befindet, und Sisimiut, der zweitgrößten Stadt Grönlands. Innerhalb weniger Jahre wurde er zum bekanntesten Wanderweg in der Arktis. Auf den Wanderkarten (Wanderkarte Westgrönland, Maßstab 1: 100.000) trägt er den Namen "Polar-Route", nach dem auch unser Verein benannt ist. Bald verbreitete sich der Name "Arctic Circle Trail", abgekürzt „ACT“, für ihn. Und in jüngerer Zeit kann man auch den Namen "Arctic Circle ROAD" lesen, denn im Jahr 2015 beschloss die Gemeinde Qeqqata, eine Straße zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut zu bauen. Ob eine Straße zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut gebaut werden sollte, war mehr als 50 Jahre lang ein Streitthema zwischen der Kommune und der Zentralregierung gewesen, dass jetzt mit dem Bau einer ATV-Straße zu einem Abschluss gebracht werden sollte. Da eine richtige Straße zu teuer wäre, sollte zunächst eine Straße für Geländefahrzeuge (Quods) gebaut werden, die in Grönland "ATV" genannt werden als Abkürzung von „all terrain vehicle“. Schon bald erschien auf der Website der Gemeinde Qeqqata ein Link zu einem Artikel, der diesen Beschluss bekannt machen sollte.
Und bald wurde eine etwas größere PDF-Datei veröffentlicht, in der diese Straße mit der Aussicht auf gute Gewinne für einige beworben wurde. Zur Veranschaulichung des erwarteten wirtschaftlichen Nutzens dieser Straße wurde das folgende Foto auf Seite 15 dieses Textes gezeigt:
no comment

Der Kommentar eines Gastes auf dem Campingplatz: "Die Hell's Angels fallen in Grönland ein." Eine etwas höflichere Erklärung ergibt sich aus dem Begleittext zum Bild, in dem die präzisere Bezeichnung "ATV-Straße" jetzt durch den Euphemismus "Naturstraße" ersetzt wird:
"Die Vermietung von motorisierten Fahrzeugen und Fahrrädern sowie geführte Touren entlang der Naturstraße bringen Gewinne für Tourismusunternehmen ... Von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass Jäger im Januar und Februar ATVs in großem Umfang für die Winterjagd nutzen können. ... aber ATVs können auch für die Trophäenjagd genutzt werden."
„Igloo Mountain ApS“, ein Tourismusunternehmen, hat auf seiner Website (Quelle: href=http://www.ski.gl/IglooMountainApS.aspx - jetzt gelöscht) die Erwartung geäußert, dass es in der Lage sein wird, 8.000 bis 10.000 Fahrten pro Jahr mit dem Verleih von ATVs auf dieser ATV-Straße anzubieten. Aber natürlich wäre das eine viel zu große Umweltbelastung für die Region.
Ein Drittel des Wanderweges („Polar-Route“ / „Arctic Circle Trail“) soll der Straße weichen, um auf eine andere Spur südlich davon verlegt zu werden. Ein deutscher Reiseführer aber hatte vorher, als noch nicht von dieser ATV-Straße die Rede war, die Wanderer dringend davor gewarnt, diese „Südroute“ zu benutzen und gesagt, dass dieser Weg sehr schwierig, und zum Teil sogar lebensgefährlich sei. Außerdem wird eine Straße parallel zum Wanderweg diesen entwerten. Darauf gestützt haben 300 Wanderer auf dem Arctic Circle Trail sich in einer „Memorandum“ genannten Petition an die Kommune gewandt und gefordert, auf den Bau einer ATV-Straße zu verzichten und stattdessen eine Bootsverbindung, wie es sie schon einmal gegeben hatte, wieder einzurichten. Leider hat die Gemeindeverwaltung die Petition (das Memorandum) nie beantwortet und sie dem Kommunalparlament gar nicht vorgelegt. Damit hat die Gemeindeverwaltung das Petitionsrecht, ein wichtiges Grundrecht, verletzt.
Die geplante ATV-Straße soll die Welterbestätte „Aasivissuit - Nipisat. Inuit Hunting Ground between Ice and Sea“ durchqueren. In einem ähnlichen Fall (die durch das Elbtal bei Dresden gebaute Waldschlößchenbrücke) hatte die UNESCO schon einmal entschieden, ein Objekt aus der Welterbeliste zu streichen. Als das Eintragungsverfahren für „Aasivissuit – Nipisat“ lief, wurden entsprechende Bedenken auch der UNESCO vorgetragen, dass nämlich der Bau der ATV-Straße die Integrität des Welterbeofjektes verletze und dass praktisch der bedeutendste Wanderweg der Arktis der geplanten ATV-Straße geopfert werde. Als das WHC der UNESCO die dänische Delegation, d.h. die Antragstellerin, danach fragte, wies diese das zurück und gab zur Antwort: "There are absolutely no plans to upgrade the Arctic Circle Trail to any kind of ATV or dirt road." Nach den Statuten der UNESCO hat unser Verein nicht den Status eines entsprechenden Partners in diesem Verfahren, sondern nur die dänische Delegation als Staatspartei. Wir konnten dem also nicht widersprechen. Dies änderte sich nach der Aufnahme der Stätte in die Welterbeliste, und wir konnten die UNESCO/WHC wegen der Gefährdung des Welterbes durch den geplanten Bau der ATV-Straße anrufen und die Aufnahme in die Liste für gefährdetes Welterbes beantragen. Doch am 5. Juni 2019 teilte uns die Vertreterin des WHC mit, dass sie unseren Antrag zur weiteren Bearbeitung an die dänischen Behörden weitergeleitet hat. Wir haben bis heute von dort keine Antwort erhalten, außer dass versucht wurde, vollendete Tatsachen zu schaffen, und der Bau der ATV-Straße im Juli 2020 begann: Im Juli 2020 erhielt die Gemeinde Qeqqata von der Regierung in Nuuk die Genehmigung, mit dem Bau der ATV-Straße zu beginnen. Die Genehmigung enthielt zunächst noch eine Einschränkung: Die Straße durfte mit Rücksicht auf die Trinkwasserversorgung von Sisimiut nur bis zum Fjord Kangerluarsuk-Tulleq gebaut werden. Inzwischen ist die Genehmigung zum Weiterbau bis Sisimiut jedoch erteilt worden.
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